Jakobs Mantel

 

Eva Weaver liest den Epilog von ‘Jakobs Mantel’

‘JAKOBS MANTEL’

auf der Leipziger Buchmesse

14-17 März 2013

Lesung und Gespräch im

Ariowitsch Haus, Zentrum Jüdischer Kultur Leipzig

EINIGE FRÜHE REZENSIONEN:


„Macht und Magie”  03.03.2013

Eine schon fast therapeutische Geschichte über die Magie des Puppenspiels in existentieller Notlage.
Mika bastelt Puppen - ein Vermächtnis seines Großvaters - Prinz, Narr und Krokodil , alle werden sie im Warschauer Ghetto lebendig und lassen den von Not und Kummer bestimmten Alltag für eine kurzen Augenblick vergessen.
Doch es geht noch darüber hinaus, für Max einen deutschen Wehrmachtsoldaten bekommt die Prinzenpuppe eine lebensbestimmende und weisende Bedeutung - bis in die Gegenwart hinein ! Lesens- und für jede Generation empfehlenswert !


„Der Puppenjunge aus Warschau”  25.02.2013

Der englische Originaltitel "The Puppet Boy of Warsaw" gefällt mir besser, da er sowohl Mika als auch die Prinzenpuppe meinen könnte. Denn eigentlich ist es nicht Mikas Geschichte und auch nicht die Geschichte des Mantels - auch wenn beides Hauptfiguren sind - sondern die Geschichte der Prinzenpuppe. Im ersten Teil wird die Geschichte des jungen Puppenspielers Mika im Warschauer Ghetto erzählt mit all seinem Grauen und dem verständlichen Haß auf alle Deutschen. Was will eigentlich dieser deutsche Soldat von ihm, der ihn mit seinen Puppen auf die "arische" Seite schleppt, wo er gezwungen wird vor den deutschen Soldaten zu spielen?
Im zweiten Teil erfahren wir, wie es mit eben diesem Soldaten weitergeht, der in russische Gefangenschaft gerät, und plötzlich vom Täter zum Opfer mutiert. Mika hatte ihm zum Schluss seine geliebte Prinzenpuppe geschenkt, die ihm mehrfach den nötigen Mut zum Weitermachen gegeben hatte. Nun geht der Prinz mit in die Gefangenschaft und begleitet Max auf der langen Flucht aus Sibirien, die er als einziger überlebt. Doch die Rückkehr nach Deutschland gestaltet sich unerwartet schwierig: seine Frau will von Warschau nichts hören, sein Sohn ist über die Jahre erwachsen geworden, und Max selber wird von heftigen Alpträumen und Schuldgefühlen geplagt. Die Prinzenpuppe wird zu seinem wichtigsten Vertrauten und der Gedanke an den jungen Puppenspieler in Warschau läßt ihn nie los.
Eva Weaver ist hier ein sehr eindrucksvolles Porträt von Kriegsopfer und -täter gelungen, deren Horror und Schuld bis in die übernächste Generation fortleben. Auch für ältere Jugendliche lesbar und absolut lohnenswert!


„Ein wunderbaren, trauriges und hoffnungsvolles Buch” 16.02.2013

Es gibt nur wenige Bücher, die ich beim Zubettgehen am Abend angefangen
und die Nacht durchgelesen habe.
"Jakobs Mantel" gehört dazu.
Die Geschichte eines Mantels und des Prinzen, einer Handpuppe, die Jakob Anfang der
1940er Jahre gebastelt hat, seinem Sohn Mika und dem deutschen Soldaten Max
hat mich gefesselt. Sie spielt vom frühen Beginn des Warschauer
Ghettos bis in die Gegenwart in New York.
Sie zeigt die Greuel von Warschau und Sibirien und es erzählt die Geschichte
von Mika, der mit dem Mantel und dem Prinzen und vielen anderen Handpuppen in diese grausamen Zeit
den Menschen und vor allem den Kindern in Warschau Ablenkung gebracht und vielen sogar  das Leben gerettet hat.
Aus Dank, dass der Soldat Max Mikas Mutter und seine Tante vor der Deportation
bewahrt schenkt er ihm seine heißgeliebte Handpuppe. Diese tritt nun die Reise
nach Sibirien an und wird wieder Hoffnungsträger in einer neuen grausamen Zeit
für den deutschen Soldaten Max.
Mika verschlägt es nach dem Krieg mit dem Mantel nach Amerika und Max kehrt mit dem Prinzen zurück nach Deutschland.
Dann beginnt für beide die Zeit des "Nicht vergessen können" ob der erlebten Grausamkeiten und der
Schuldgefühle bei Max.
Es wächst eine neue Generation heran, die Kinder und vor allem die Enkel, denen Mika und Max in ganz besonderen Situationen dann ihre Geschichte erzählen. Und es schließt sich der Kreis um Mikas Mantel und den Prinzen.
Eine wunderbare Geschichte, die die Erinnerung an das Warschauer Ghetto und seine mutigen "Bewohner"
wach hält und mahnt.
Ich finde auch das Cover sehr gelungen und empfehle das Buch auch für Jugendliche.



„Die Kraft der Puppen”  01.02.2013

Eva Weaver ist eine in Deutschland geborene britische Autorin, die ursprünglich als Trauma- und Kunsttherapeutin gearbeitet hat. Bei diesem Hintergrund passt Geschichte des Romans „Jakobs Mantel“ hervorragend.
Denn Eva Weaver erzählt die Geschichte eines jungen Juden, der im Warschauer Ghetto die Menschen als Puppenspieler wenigstens kurzzeitig von ihrer Situation ablenkt. Mika hat ursprünglich mit seiner Mutter und seinem Großvater, einem allseits beliebten Universitätsprofessor, in guten Verhältnissen gelebt. An seinen Vater kann er sich kaum erinnern. Dann marschieren die Deutschen in Polen ein und für die Juden verschlechtert sich die Lebenssituation dramatisch und endet erstmals 1940 im Warschauer Ghetto. Doch es wird noch schlimmer. Mikas Großvater wird von den Deutschen erschossen, als er einer Frau helfen will. Mika erbt seinen Mantel und macht in den diversen heimlichen Taschen des Mantels eine ungeheuerliche Entdeckung – sein Großvater hat Puppen gebastelt. Mika ist davon fasziniert und entdeckt, dass er Talent als Puppenspieler hat. Erst führt er nur im kleinen Kreis Stücke auf, doch denn spricht sich sein Talent im Ghetto herum, und er spielt vor immer größerem Publikum. Eines Tages macht er einen Fehler, und plötzlich will der deutsche Wehrmachtssoldat Max, dass er für die Deutschen spielt. Mika ist entsetzt, kann dadurch aber auch etwas für die anderen Juden im Ghetto tun. Dies alles und noch viel mehr erzählt der alte Mika 2009 seinem Enkel Danny in New York als er ein Plakat entdeckt, das ein Puppenspiel über den Puppenspieler des Warschauer Ghettos ankündigt. Im zweiten Teil wird die Geschichte des Soldaten Max erzählt, nachdem Deutschland den Krieg verloren hat. Auch hier spielt wieder eine der Puppen aus dem Ghetto eine zentrale Rolle.

Eva Weaver hat eine unglaublich ergreifende Geschichte erzählt. Sie beschreibt das Grauen des Ghettos sehr genau. Unter diesen schrecklichen Lebensumständen muss Mika erwachsen werden. Er wächst wie viele andere Menschen in dieser Situation über sich hinaus. Dabei helfen ihm die Puppen. Und diese Puppen lenken die Menschen von ihrer Situation, ihrem Hunger, ihrer Angst ab. Sie geben ihnen einen kleinen Moment Glück und Normalität. Aber sie beschreibt nicht nur die Situation der Opfer, sondern sie beschreibt auch sehr genau, wie es dem deutschen Soldat ergeht. Und sie zeigt auf, wie schmal der Grat ist, auf dem sich die Menschen im 3. Reich bewegt haben. Grundsätzlich steht der Soldat Max hinter der Politik von Adolf Hitler, aber in Mika erkennt er einfach einen Jungen, der im Alter seines Sohnes ist. Und dieser Junge ist gar nicht so anders. Gleichzeitig zeigt sie auch auf, wie schwierig die Situation für die Kriegskinder und -enkel ist. Es dauert lange, bis die Menschen wirklich darüber sprechen können.

Ein großartiger und beeindruckender Roman über die Kraft der Menschen in Extremsituationen. Und es ist gleichzeitig auch ein versöhnlich stimmender Roman. Er hat mich ähnlich beeindruckt wie „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne.


„Mika und sein beeindruckender Lebensweg” 31.01.2013

„Jakobs Mantel“ von Eva Weaver ist ein beeindruckender Roman über die Wirren des Krieges. Reale Personen und ein gut recherchierter Hintergrund zum Leben im Warschauer Ghetto bilden die Basis für dieses sehr bewegend zu lesende Buch. 1939 erbt Mika auf tragische Weise im Warschauer Ghetto den Mantel seines Großvaters Jakob. Jakob hatte in diesem Mantel und seine unzähligen Taschen alles versteckt, was ihm wichtig war. Mika entdeckt die Puppen seines Großvaters und wird selbst zum Puppenspieler. Er lernt den Soldaten Max kennen und muss fortan auch vor den Deutschen Soldaten spielen, um zu überleben. Sein innerer Konflikt und ein Doppelleben, das er vor seiner Familie geheim hält, werden sehr plastisch dargestellt. Viele Jahre später treffen Mikas Enkel und die Enkelin des Soldaten Max aufeinander und die Puppen werden wieder vereint. Das Buch hat mich sehr beeindruckt und berührt. Die historischen Ereignisse sind hervorragend recherchiert und als Leser wird man in die Geschichte hineingesogen. Ein wichtiges Buch, für alle geschichtlich interessierten.